Der Hof Jüchter

Rund um Stenum und Rethorn (Gem. Ganderkesee, Landkreis Oldenburg) gibt es eine Reihe von Einzelhöfen, die besondere Namen tragen. Das ist in dieser Gegend typisch für abseits der Dörfer liegende Gehöfte. Ein eigener Name war einfach erforderlich, um solche Anwesen bezeichnen zu können. Hergeleitet wurden die Bezeichnungen aus der Lage, aus einem in der Nähe liegenden markanten Punkt oder aus dem Besitzer-Namen.

 

Von der Nutzhorner Landstraße gesehen, bietet der versteckt hinter seinem Gehölz liegende Hof Sahren das Bild eines prächtigen Niedersachsenhauses, vermutlich des schönsten im Stenumer Bereich.
Die Geschichte des Hofes ist viele Jahrhunderte alt. Eine halbe Bau, erscheint bereits als “en gut, gheheten de Sar” im Salbuch von 1428/1450. Der Name Sahren wird von Sahar, was Ried- oder Sumpfgras bedeutet, herzuleiten sein, welches auf das feuchtes Grünland des Hofes zurück geführt werden könnte. Nasses Land wird als “sohrig” bezeichnet. Die am Hof vorbeifließende Hahlbäke dürfte aber auch dazu beigetragen haben, daß man in Sahren immer wieder “nasse Füße” bekam. Als 1979 in diesem Bereich eine Erdgasleitung verlegt wurde, zeigte der Bodenaufbau ein buntes Gemisch durcheinandergewirbelter Sand-, Lehm-, Ton-, und Moorablagerungen. Offensichtlich ist die Hahlbäke einst wesentlich bedeutender gewesen, als das heutige Bächlein.

 Nach der Überlieferung gehörte der Hof Sahren zu den Besitzungen ritterbürtiger Familien. Schröer nimmt an, daß er Sitz der Ritter von Sconemore gewesen ist. Urkundliche Hinweise gibt es darauf aber nicht. Die älteste Nachricht über Sahren bringt das zwischen 1428 und 1450 entstandene Salbuch des Drosten Jakob von der Specken. In diesem Verzeichnis der Besitztümer und Rechte der Grafen von Oldenburg und Delmenhorst wird der Hof bereits zweimal aufgeführt. Da heißt es zunächst unter dem Kichspiel Schönemoor: “En Gut, gheheten de Sar, dat Borchert Molde hefft, und licht under des Boghes Hagen”. Unter Ganderkesee wird dann gesagt: “De Sarne, item de Bogeshagen”. Diese Doppeleintragung des gräflichen Hofes Sahren könnte darin begründet liegen, das der Landbesitz des Hofes zu allen Zeiten je zur Hälfte in den Kirchspielen lag und auch noch liegt. Der Besitzer Borchard Molde besaß im übrigen auch in Schönemoor: “ En Wurt, dar(he)uppe wonet,und twe Wurde, de he darto hefft”. Er war also Großgrundbesitzer. Ob er zu der ritterbürtigen Familie gleichen Namens gehörte ist fraglich. Last sagt, das in der Grafschaft Oldenburg kein Besitz dieser Familie nachweisbar sei.

Nach dem Ergebnis der Familienforschung eines in Riga wohnenden Kaufmanns und Kapitäns Harry Juchter wird 1553 ein “Harmen thor Sarne” erwähnt, der vermutlich mit einem “ Herman Juegter tor Sarne” identisch ist, den die Register 1574 und 1578 nennen. Seither lebt die Familie Jüchter ununterbrochen auf dem Hof Sahren. Es dürfte keinen zweiten Hof rund um Stenum geben, der so lange in den Händen einer Familie ist.
Bultmann meint in seiner “Geschichte Ganderkesee`s”, daß ein Graf von Oldenburg den Hof an einen Knappen Jüchter aus Edewecht als Lehen gegeben hat. Urkundlich  ist das nicht zu beweisen. Fest steht aber, daß die Jüchter im Mittelalter zu den ritterbürtigen Familien in der Grafschaft Oldenburg gehörten. Ihr ansehnlicher Grundbesitz lag im Ammerland und in Stedingen. Sie sind dann vermutlich, wie viele andere Adelsfamilien im Oldenburgischen, um den Druck des Grafenhauses zu entgehen, um etwa 1500 in den Bauernstand hinübergewechselt. Der erwähnte Familienforscher nimmt an, daß ein Jüchter den Hof Sahren zwischen 1500 und 1550 gekauft hat. Der Hof war von Anfang an, obwohl mit den größten Besitz im Stenumer Raum ausgestattet, nur ein Halbbau. Der Volksmund aber wußte um die Größe des Hofes, denn er prägte den folgenden Reim:
“Buckje von`e Fahren Juchter von`e Sahren un Poppe von Hoyersweg, dat sind de grottesten Hööf”
Mit 52 Thalern wurde 1679 Tönnies Jüchter zur “Französichen Contribution” eingeschätzt. Das waren immerhin 10 Thaler mehr, als der Wert des Vollhofes Hollmann in Stenum.

Ein Register von 1681 zeigt die Ausrichtung des Hofes auf Schönemoor und in die Marsch. Tönnies Jüchter hatte sein Weideland “beim Moorgraven” und im Schönemoorer Feld beim Horster Land. Dafür hatte er Abgaben für den deichhauser Deich zu entrichten und Deichabschnitte am Moorgrabendeich, am Vogtsweg und an der Neuollen zu unterhalten. Im übrigen war der Vorname Tönnies eine Ausnahme. Über Generationen hießen die Hofbesitzer Arend Jüchter.
Früh ist auch schon von hofeigenen Waldungen die Rede. 1681 stand der Herrschaft die halbe Mast in den Sahrener Holzungen zu. 1793 wird ein Tannenkamp erwähnt. 1840 ist für das hofeigene Holz ein Canon zu entrichten. 1842 wird aus der Gemeinheit ein Anschluß am Holz zugeteilt. Und aus dem Jahre 1873 liegt noch eine Abrechnung über einen Holzverkauf des Hofes vor. Heute hat der Hof rund 50 ha Landbesitz, davon die Hälfte in der ehemaligen Gemeinde Schönemoor.